Schützengesellschaft Börnste e. V.  1751

Museum

Die Protokollbücher / Buch 1

 

1929
Seite 1 - 9

 

Vorbemerkung über nachstehenden Inhalt, und der Schützenfeste aus dem vorigen Jahrhundert

Am 7. Mai 1929 fand beim Schützenkönig, Herrn Rath, eine Zusammenkunft des Vorstandes der Schützengesellschaft Börnste statt, um wie üblich über die Abhaltung des Festes zu beraten. In dieser Versammlung wurde der Vorschlag gemacht, ein Buch anzulegen, in welchem die Protokolle über die Versammlungen der Schützengesellschaft und über die Abhaltung des Festes aufgenommen werden sollen. Ferner sollen wichtige Vorkommnisse in der Bauerschaft eingetragen werden, um so der Nachwelt erhalten zu bleiben. Der Schriftführer hat das Buch in Ordnung zu halten und bei  den Versammlungen vorzulegen. Die Schützengesellschaft war mit diesem Vorschlag einverstanden. Der Vorstand schaffte daraufhin vorliegendes Buch an und übergibt es hiermit seinem Zwecke.

Zunächst sei einiges über den Ursprung und die Entwicklung des Schützenfestes angeführt. Der Brauch innerhalb einer Bauerschaft, ein gemeinsames Fest abzuhalten, ist schon wohl uralt. Die ältesten Überlieferungen lassen jedoch darauf schließen, daß dieses Fest auf Fastnacht stattfand. Es wurden jedes Jahr in der Bauerschaft 2 Schöffen oder Scheffen gewählt, welche Lebensmittel und Getränke zusammenholen mußten, welche dann gemeinschaftlich zu Fastnacht bei Spiel und Tanz auf einem Bauernhofe verzehrt wurden. Damals wurde auf fast allen größeren Bauernhöfen Bier gebraut. Zu späteren Zeiten wird man dazu übergegangen sein, das Fest in den Sommer zu verlegen wegen der günstigen Witterung. Man hat dann auch das in anderen Gegenden übliche Vogel- oder Königsschießen übernommen und dem Feste den Namen Schützenfest gegeben.

Der Verlauf desselben war folgender. Die jüngeren Leute traten an und marschierten zur Vogelstange, die am Abend vorher an einer bestimmten Stelle aufgestellt war, um den Vogel herunterzuschießen. Jeder trug sein eigenes oder geliehenes Gewehr, mit dem er die Schüsse ausführte. Derjenige, welcher den letzten Rest des Vogels herunterholte, wurde zum Schützenkönig proklamiert. Nachdem die Königin, die der König sich wählte, zur Stelle war, wurde der Rückmarsch angetreten und bei Spiel und Tanz wurde gefeiert.

Der Schützenkönig hatte mit der Würde auch die Pflicht übernommen, im nächsten Jahre das Fest abzuhalten. Das Fest wurde in schlichter Weise gefeiert. Es gab Bier, Schnaps und Kaffee und Stutenbutterbrot. Jeder konnte nehmen soviel  er wollte. Bezahlt wurde nicht jedes einzelne Teil, sondern es wurde ein Gelage (Gelaog) gegeben und zwar auf folgende Weise. Die beiden nächsten Nachbarn des Schützenkönigs setzten sich in ein Zimmer und führten eine Liste.

Es war nun Ehrenpflicht eines jeden Gastes und auch der Damen, bei diesen beiden zu erscheinen und sich eintragen zu lassen und gleichzeitig ihr Gelaog zu zahlen. Die Summe war beliebig, jedoch bestand eine ungeschriebene Regel: Damen zahlten so 1,50 M bis 3,00 M. Herren 2,50 M bis 5,00 M., Einzelne auch höher. Dieses Geld erhielt der Schützenkönig, er konnte damit seine Unkosten bezahlen.

War nun irgendein Gast dort, der in vorgerückter Stunde noch nicht bezahlt hatte und auch nicht Willens war, dies zu tun, so konnte es ihm blühen, daß er nach allen Regeln der Kunst an die Frühlingsluft gesetzt wurde und noch eine gehörige Tracht Prügel mitnahm. Das Festlokal war eine Bauerntenne.

War ein Kötter Schützenkönig, so setzte er sich mit einem Bauern in der Nachbarschaft in Verbindung und auf dessen Tenne wurde dann gefeiert. Auch kam es öfter vor, daß das Königspaar am Tage vor-her Hochzeit machte und am zweiten Tage das Schützenfest abhielt. Als in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts die Festzelte immer mehr aufkamen, wurde nicht mehr auf einer Tenne, sondern in einem Zelt gefeiert. Es tanzte sich hier angenehmer und jeder war dadurch in die Lage versetzt, auf seinem eigenen Hofe das Fest abzuhalten. Das Fest wurde jedes Jahr gefeiert. In den Jahren 1895 bis 1898 jedoch fand kein Fest statt. Der Grund war folgender. Der damalige Schützenkönig Heinrich Brambrink No. 33. war nicht in der Lage das Fest abzuhalten wegen Krankheit (vorgerückte Schwindsucht). Im Jahre 1898 wurde dann von den jungen Leuten ein provisorisches Vogelschießen veranstaltet. König wurde Franz Bickert, der dann in demselben Jahre noch das Fest abhielt.

Das Abzeichen des Schützenkönigs bestand aus einem in Papier gefaßten Spiegel und Federbusch am Hut, und einem kleinen Vögelchen, das der König an grüner Schnur um den Hals trug. In früheren Jahren soll dieses aus Silber bestanden haben. Dieses ist jedoch verlorengegangen und der Träger der Königswürde mußte sich mit einem Vogel aus Blei begnügen.

Im Jahre 1928 wurde an Stelle des Vogels die allgemein übliche Königskette angeschafft. Die Namen des jeweiligen Schützenkönigspaares werden auf einem Plättchen an die Kette geheftet. Als erster wurde der Schützenkönig des Jahres 1920, der erste nach dem Weltkriege, angebracht.

Diese Art der Feier hat sich durchgehalten bis zum Weltkriege. Nach dem Kriege war infolge der Geldentwertung die alte Form nicht mehr möglich und man einigte sich auf die jetzt bestehende Art und Weise.


Protokoll der Generalversammlung vom 14. April 1929 der Schützengesellschaft Börnste

Am vorgenannten Tage ist in der Schule zu Börnste vom Vorsitzenden Herrn August Weiling eine Versammlung zwecks Abhaltung des Schützenfestes einberufen worden. Selbiger eröffnete um 16 Uhr die Versammlung. Nach Beschluss von Stimmenmehrheit, das auch in diesem Jahre das Schützenfest, wie in den Vorjahren am Donnerstag nach Pfingsten gefeiert werden sollte, erfolgte die Wahl zweier Vorstandsmitglieder auf die Dauer von zwei Jahren. Für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herrn Bern. Düpmann und Herrn Hubert Gövert, Schriftführer, wurden Herr Anton Kuhmann und Josef Berning als Schriftführer gewählt. Die beiden Herren der Verlosungskommission Heinr. Schürhoff und Franz Brambrink wurden auf ein Jahr wiedergewählt. Weiter wurde beschlossen, am ersten Schützenfesttage eine heilige Messe für die Gefallenen des Weltkrieges 1914 – 1918 lesen zu lassen, zu der vom Vorsitzenden um rege Beteiligung gebeten wurde. Ein Antreten der Schützen wurde auf 13 Uhr festgesetzt. Am zweiten Tage soll das Antreten um 13 Uhr 30 Minuten auf dem Hofe Brambrink zur Gefallenenehrung erfolgen. Zwecks der Verlosung wurde geäußert, nicht wie in den Vorjahren in ein und demselben Geschäfte zu kaufen, und auch mehr Gebrauchsgegenstände zu wählen, welches vom Vorstande zugesagt wurde. Der Eintrittspreis wurde wegen Einführung der Kastensteuer auf 1,75 RMK festgesetzt, wurde aber von Herrn Franz Rath später auf 1,50 RMK ermäßigt. Zur Anbringung der Schilder an der Königskette, welche im Vorjahre gekauft, wurde eine Kommission gewählt und damit beauftragt, dafür zu sorgen, das alle nach dem Weltkriege stattgefundenen Schützenfeste darin vermerkt sind, und die Kette zum diesjährigen Schützenfeste fertiggestellt werde. Die Kosten zur Anbringung des Schildes hat jeder Schützenkönig selber zu tragen. Zum Schluss wurde eine Versammlung des Vorstandes am 7ten Mai 1929 in dem Saale der Kaffeewirtschaft Waldfriede anberaumt. Hierauf schloss der Vorsitzende um 18 Uhr die Versammlung.

 

Protokoll der Vorstandsversammlung vom 7. Mai 1929 in dem Saale der Kaffeewirschaft Waldfrieden in Börnste

Nach einer vorhergegangenen Kaffee- und Brandweinprobe eröffnete der Vorsitzende Herr August Weiling mit einer Stunde Verspätung um 20 Uhr die Versammlung, mit der Begründung, dass wir nicht mehr vieles zu erledigen hätten. Zuvor dankte er den Anwesenden, dass alle Vorstandsmitglieder vollzählig erschienen seien. Hierauf wurde die Verlosung noch eingehender besprochen. Zunächst wurden die Geschäfte namhaft gemacht, in welchen Preise gekauft werden sollten und zwar: Hermann Scho, Albert Friens, August Flüchter und Bernhard Homann. Von Herrn Potthoff wurde dann die Losezahl und die verschiedenen Preise aus dem Vorjahre bekannt gegeben. Gleichzeitig wurde darauf aufmerksam gemacht, das die Unkosten durch Einkauf von Gebrauchsgegenständen in diesem Jahre erheblich größer seien und darum der Losepreis auf 0,60 RMK zu erhöhen sei, welches vom Vorstande einstimmig beschlossen wurde. Dann wurde vom Schriftführer der Vorschlag gemacht, da in diesem Jahre die Königskette zum ersten Male getragen werde, auch gleichzeitig ein Protokollbuch anzulegen, damit auch in mehreren Hundert Jahren unsere Nachkommen noch sehen könnten, in welchem Jahre dieselbe angelegt worden, und über den Verlauf des Festes etwas einzutragen und die Satzungen des Schützenvereins Börnste wie sie nach dem Weltkriege 1914 – 1918 bestanden haben, in § aufzuschreiben, damit auch daraus zu ersehen sei, in welcher Weise das Schützenfest zu dieser Zeit gefeiert worden ist. Letztere sollten in jedem Jahre erneut bekannt gegeben werden. Nachdem nun der Einkauf der vorbesprochenen Gegenstände auf Sonntag, den 12 Mai festgelegt worden ist, schloss der Vorsitzende um 21 ½  die Versammlung. 

 

Verlauf des Schützenfestes 1929

Das diesjährige Schützenfest, welches auf dem Hofe der Kaffeewirtschaft Waldfriede, Inhaber Franz Rath, Börnste am 23. Mai gefeiert wurde, nahm folgenden Verlauf:

Der Schützenkönig Herr August Rath, der die Ehre hatte, die neue Schützenkette zum ersten male anzulegen, wurde von allen Vereinsmitgliedern beglückwünscht. Herr Anton Hülk der in Vorjahre auf sein 25jähriges als Leiter des Festes zurückblicken konnte, übernahm auch in diesem Jahre die Führung des Zuges. Selbiger ließ um 13 Uhr 5 Minuten zum Königsschießen antreten. Unter Voraufmarsch der Kordelschen Musikkapelle setzte sich der Zug in Bewegung. An der Vogelstange wurden zum ersten Mal die Satzungen der Schützengesellschaft Börnste öffentlich durch den Vorstand bekannt gegeben. Im Anschluss begann das Königsschießen. 56 Schützen nahmen an demselben teil. Die Königswürde errang Herr Bernhard Geilmann mit dem 143ten Schuss, der dieselbe an seinen älteren Bruder Herrn Viktor Geilmann abtrat. Letzterer erwählte sich Frl. Änne Wiesker zur Königin. Um 15 Uhr 15 Minuten erfolgte  nach Proklamation des Königspaares der Rückmarsch zum Festzelt, wo im Anschluss der Festball eröffnet wurde, welcher am Abend durch Gewitterregen etwas gestört wurde. Um 18 Uhr nahm bei schönem Wetter das Fest unter reger Beteiligung der Einwohner der Bauerschaft sowie auch Auswärtiger bis in die freühen Morgenstunden einen gemütlichen Verlauf.

Am zweiten Tage erfolgte das Antreten um 13 Uhr 30 Minuten auf dem Hofe des Gemeindevorstehers Brambrink. Von dort selbst setzte sich der Zug unter Führung des Herrn Franz Rath zur Ehrung der Gefallenen im Weltkriege 1914 – 1918 zum Kriegerdenkmal in Bewegung. In einer Ansprache wusste Herr Heinrich Potthoff das Mitgefühl und die Treue zu den Kammeraden zu erwecken und gedachte durch ein kurzes Gebet der armen Seelen. Durch Niederlegung eines Kranzes wurde die feierliche Ehrung vorgenommen, um dadurch besonders der heranwachsenden Jugend die Erinnerung einzuprägen, auch weiter den Gefallenen zu gedenken, die durch ihre Treue zum Vaterlande und der Heimat, ihr Leben geopfert haben. Hierauf erfolgte der Rückmarsch zum Festplatze woselbst von Herrn Franz Rath im Namen vieler Dülmener, über das gemütliche Beisammensein des Börnster Schützenfestes am ersten Tage, herzlichen Dank aussprach, in der Voraussetzung, das auch der zweite Tag in gleicher Weise verlaufe. Im Anschluss fand eine Verlosung statt, durch die viele mehr oder weniger beschenkt wurden. Durch gemütliches Beisammensein, abwechselnd durch Tanz, nahm das Fest bis in den frühen Morgenstunden ohne jeden Zwischenfall einen gemütlichen Verlauf.    

 

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